Warum ich manchmal nichts schreibe

Kleine Kerzen in Joghurt-Schälchen als behelfsmäßigen Kerzenständern

Früher schrieb ich Tagebuch, meistens über die schönen Dinge, die ich erlebt hatte. Über Gespräche und Erlebnisse, die ich mir merken wollte. Wenn es mir schlecht ging, schrieb ich eher nicht.

Jetzt gerade – heute ist Sonntag, der 27.02.2022 – habe ich, wie wohl wir alle, große Angst. Ich bin in Sorge um die Menschen in der Ukraine und habe Angst vor dem, was uns allen vielleicht noch bevorsteht. Aber mein Journal habe ich, seit alles am Donnerstag angefangen hat, noch nicht aufgeschlagen.

Mir fehlen die Worte.

Dabei würde es vielleicht helfen, die Angst wenigstens für einen Moment mal aus dem Kopf zu bekommen und sie auf der Seite abzuladen.

Aber: Nicht nur gehen wir alle unterschiedlich mit Emotionen um, auch wir selbst reagieren unterschiedlich in unterschiedlichen Situationen. Was dir gestern gutgetan hat, muss dir heute nicht helfen. Was dir gestern keine Hilfe war, kann heute funktionieren.

Wie immer gilt: Geh auch hier sanft mit dir um. Fühle dich zu nichts verpflichtet. Höre auf dein Bauchgefühl. Wenn dein Journal dich nicht ruft, zwing dich nicht zum Schreiben. Wenn dir danach ist, schlage das Journal auf, sitze mit der leeren Seite. Vielleicht kommen die Worte, vielleicht nicht. Vielleicht zeichnest du die ganze Seite voller Sternchen, vielleicht beklebst du sie über und über mit Regenbogenstickern. Was immer dir hilft, ist okay. Und wenn nichts davon hilft, schlag ohne schlechtes Gewissen das Notizbuch wieder zu.

Ich will dich nur daran erinnern, dass dein Journal für dich da ist. Es ist ein Angebot, wenn du es brauchst. Dasselbe gilt für deine Tarotkarten. Sie können dich ankern, dich erden und dir die Hand halten, wenn du das möchtest. Wenn du nicht das Gefühl hast, dass dir das gerade hilft, dann geh getrost einen anderen Weg. Und zünde vielleicht einfach nur eine Kerze an.

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